Auf dem Weg zum Rhein

Ein Ausflug in das Jahr 1803

 

 

„Mores, komm, auf geht‘s!“

Der schwere schwarze Hund erhob sich und schüttelte Laub und Erdbrocken aus dem dichten Pelz. Mit langsamem Zungenschlag leckte er sich die letzten Brotkrumen vom Maul und blickte aus dunklen, geduldigen Augen seinen Herrn an. Eine kleinere, fuchsrote Hündin mit struppigem Fell erhob sich ebenfalls und betrachtete mit gesenktem Kopf, doch mit wachen Augen das Geschehen. Ihr Körper wies deutliche Narben und Spuren vergangener Misshandlung auf; quer über ihren Schädel zog sich ein Streifen weißer Haare, wie sie aus verletzter Haut und Narbengewebe wachsen.

Wortlos schirrte Johannes Pies, der Korbmacher, seinen Hund an die Deichsel des bis über seine eigene Größe hinaus schwankend mit Körben aller Art hochgestapelten Karrens. Er selbst stellte sich dem Hund zur Seite auf die andere Seite der Deichsel, die Fuchsrote ließ er laufen. Ein kurzes Tätscheln, dann stemmten sie sich gegen das Gewicht des Karrens, das sie trotz des geräuschvoll schleifenden Bremsholzes den steilen, unwegsamen Pfad zum Rhein hinabzudrücken schien. Mühsam hielt er den Hebel, aufgeregt flatterten drei Hähnchen, die er in kleinen Käfigen lose ganz oben auf dem Karren fixiert hatte und für die er sich guten Erlös erhoffte. Im Rheintal hielt man selten Hühner. Nur Nikolaus Reinhardt, der Bürstenmacher aus Miehlen, der die Tochter eines Gastwirts in Bacharach geheiratet hatte, hielt welche. Regelmäßig Eier essen und hin und wieder ein Hähnchen verkaufen oder selbst essen zu können, dazu in einem festen Haus am Rhein zu wohnen, zwischen all den guten Bürgern – das erschien Johannes als der Inbegriff des Glücks. Er seufzte. Hatte Nikolaus es nicht besser getroffen als er selbst?

Er warf einen Blick nach oben. Er war spät dran, das Markttreiben würde schon bald in vollem Gange sein. Noch trennte ihn eine gute Strecke von seinem Ziel: Bacharach. Dorthin war er regelmäßig unterwegs, mit seinem Karren und mit Mores, seinem grundguten Hund, der den Karren zog und ihn auch bewachte. Die Fuchsrote hatte er erst vor Kurzem gefunden, oben auf dem Hunsrück: Halb erschlagen hatte sie am Weg gelegen, und er hatte es nicht übers Herz gebracht, sie einfach so liegen zu lassen. Er hatte sie auf den leeren Karren geladen und nachhause gezogen. Seine junge Frau, Elisabeth, Tochter eines der vielen Bauern, die in größter Armut ihr Leben fristeten und gerade dem Kindesalter entwachsen, verstand sich auf den Umgang mit Hühnern, mit der Kuh und so auch mit dem Hunde. „Ein warmes Plätzchen und ein Kanten Brot wird auch für dich noch übrig sein, Fuchsrote“, hatte er gemurmelt, als er sie hochhob und auf den Karren bettete. Er wusste genau, wer sie war: Sie war der Hund des Scherenschleifers.

Die "Underdogs" - der turbulente Roman rund um eine Rottweilerfamilie, deren Verschwinden und Wieder-auftauchen Rätsel aufgibt.

Rezension unter "Genauer hingeschaut"

Lesungen

Buchvorstellung Hunsrücker Band 3: 16.9.2019, 20°° Uhr,

Gehaichnis Kastellaun

 

15.  September Gemeindehaus Tiefenbach, 17°° Uhr

Frühere Lesungen

24. Mai 2019   Kultur und Kaffee im Freilichtmuseum Bad Sobernheim, Thema: Lebendige Sozial-geschichte literarisch verpackt

Start: 14°° Uhr Museumseingang

23. Mai 2019, 15°° Uhr: Frauenhilfe Kleinich, ev. Gemeindehaus

14.  Mai 2019, 15³° Uhr:   ev. Gemeinde in Regulshausen/Idar  Oberstein  Gewünscht ist die Erzählung von der "Hebamme in Gödenroth".

9. April  2019, 15°° Uhr, Lesung im  Gemeindehaus Pfalzfeld

13. Dezember: Dorftreff Gödenroth Beginn: 15°° Uhr

29. November

 

Buchhandlung Müller

 

Kastellaun

 

19.°° Uhr

22. November: Jugendraum im Gemeindehaus von Roth, 14³° Uhr

8. November 2018, 19.³° Uhr

Buchhandlung Schulz-Ebrecht

Idar-Oberstein

31. Oktober: Stadtkirche Kastellaun, 19°° Uhr

30. September: Haus Maull, Kastellaun, 15°° Uhr<<

21. September  2018   Friedenskirche in Kirchberg, Gemeindehaus, 9.30 vormittags

2. September 2018:                        Freilichtmuseum Sobernheim  im Rahmen der "Schmiede"-Veranstaltung im "Hunsrück-Dorf", im Standesamt. Lesung zum Thema "Nagelschmiede" um 14.³° Uhr: "Nägel für die Welt"

25. April 2018: 14.30 Uhr: Lesung im Restaurant "Goldener Anker"" in Rhaunen

17. März 2018: Lesung  aus  "Hunsrücker" im Nachspann der Jhv des Pies-Archivs in Dommershausen, Beginn 15°°h

Nicht-Mitglieder des Archivs willkommen. Für Infos zur Stiftung  und  zur Wegbe-schreibung bitte auf  Pies-Museum klicken

Ebenfalls  17. März 2018, 19.30 Uhr

"Jour Fixe" auf  Burg Waldeck  in Dorweiler, Mohrihaus, Adresse und Wegbeschreibung hier

10. Dezember, 15°° Uhr: Lesung zur Reformation auf dem Hunsrück im Hunsrück-Museum Simmern.

2. Dezember 2017 Lesung im "Kaffeestübchen Ellern", Informationen siehe hier (es war umwerfend interessant!)

2. November 2017

"Henricus Kempensis" - Der Reformator von Castelhun

Lesung zur Reformation auf dem Hunsrück

Kulturverein Kirchberg, Bibliothek, 19³° h

 

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5. Oktober 2017

Lesung  in Idar-Oberstein in der Buchhandlung Schulz - Ebrecht um 19³° Uhr

Rezension hier

 

3. September 2017 - Lesung auf dem  "Wachholderheide-Fest"  in Woppenroth ,

 

2016: diverse Lesungen mit den Autoren der "Lesebühne Schiefertafel"

 

 28.12.2016  "Oberförster Grosholz" im Hunsrück-Museum Simmern zur Finissage der Ausstellung "Der Wolf kommt zurück"

2017:  17.2.2017  "Was uns berührt" mit  Autoren der "Lesebühne Schiefertafel" im Rheintheater  Bacharach

11. Juni 2017: Lesung der "Lesebühne Schiefertafel"  beim Mittelalterfest in Boppard, Kurfürstliche Burg: " Henricus Kempensis" Die Ankunft des Reformators in Kastellaun am 29. Dezember 1561

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Leona-Riemann